Gekauftes Glück

Meine persönliche Erfahrung mit einem Zuschuss-Verlag

Es war eine lange, mühsame Suche nach einem Verlag, dem ich die Manuskripte meiner drei Bücher zugesandt hatte. Immer wieder dasselbe Szenario: Keine Antwort, Absagen.
`Sind meine Bücher so schlecht? `, fragte ich mich.

„Nein, sind sie nicht,“ erklärte mir schließlich ein Verleger. „Aber wir bekommen täglich unzählige Manuskripte zugeschickt, und wir können diese gar nicht alle lesen. Wer nicht bereits als Autor bekannt ist, hat sehr wenig Chancen“.

Auf diesem Stapel der ungelesenen Manuskripte landeten dann auch meine.  Und ich resignierte. Zweifelte am Wert meiner Schriftstellerei.

Die Sehnsucht nach Anerkennung

Bis eines Tages ein Redaktor eines Magazins fand, meine eingereichten Beiträge seien hervorragend. Ich sollte meine Bücher unbedingt herausgeben, und er kenne da auch einen Verlag…

Wow! Also doch?

Ich schrieb an diesen Verlag, erzählte kurz, worüber ich schreibe und erhielt postwendend die Antwort: „Schicken Sie uns bitte alle Ihre Manuskripte, wir sind sehr interessiert daran“. Und, nachdem ich diese dann eingereicht hatte, verblüffte mich die Nachricht: „Wir möchten Ihre Bücher sehr gerne in unserem Verlag herausgeben, sie sind großartig und vielversprechend!“

Peng! Wow! War das zu fassen?!

Endlich fand ein Verlag meine Werke wertvoll genug, um sie zu veröffentlichen! Endlich erhielt ich die Anerkennung für meine Bücher, nach der ich mich so gesehnt hatte. Und zwar von Profis! Von einem Verleger! Dann mussten sie ja gut sein…, dachte ich.
Überglücklich unterzeichnete ich den Vertrag, der allerdings eine Klausel enthielt:

Ich musste mich an den Druckkosten beteiligen, und zwar mit einer vierstelligen Summe.

„Naja“, dachte ich, anders geht es ja wohl nicht. Und, wenn dieser Verlag meine Bücher nun in die Welt bringt, ist es das wert.“
Da ich selbst nur über einen Teil des verlangten Betrags verfügte, fand ich Hilfe von Freunden, die an den Erfolg meiner Werke glaubten und mich unterstützten.

Und dann hielt ich sie endlich in meiner Hand: Meine fertig gedruckten Bücher!

Wie glücklich war ich darüber!

Das ist der erste Teil der Geschichte. Der zweite Teil ist traurig.

Ich wartete nun guten Mutes die halbjährliche Abrechnung des Verlags ab. Aber ich staunte nicht schlecht, als ich sah, dass insgesamt sehr wenig Exemplare verkauft worden waren. So wenige? Warum nur?

Nun, aus meiner Sicht war das nicht überraschend, denn nur sehr wenige Menschen wussten überhaupt von meinen Büchern.

Der Verlag postete ab und zu das Cover meiner Bücher auf Social Media (hauptsächlich auf Facebook), und wer diese Werbung nicht zu sehen bekam, wusste nichts davon. Auf meine Anregungen an den Verlag, sich an Buchmessen zu beteiligen oder Verlagsvertreter in die Buchhandlungen zu schicken, erhielt ich die Antwort, das würde sich für Kleinverlage nicht lohnen und sei aussichtslos.

Hm. Ich hatte mich also einem Verlag anvertraut, von dem ich mir deutlich mehr Werbung und Unterstützung bei der Verbreitung meiner Bücher erhofft hatte. Mir aber immer wieder schrieb, ich soll nicht verzweifeln, meine Bücher seien wirklich gut, nur, die Titel und das Cover würden halt nicht so gut ankommen.

„Wie bitte?“ Wäre das denn nicht die Aufgabe des Verlags gewesen, dafür zu sorgen, dass die Titel und das Cover den Inhalt des Buches bestmöglich wiedergeben?

Da in den folgenden drei Jahren fast bis gar keine Büchermehr verkauft wurden, entschloss ich mich schließlich, den Vertrag zu künden. Das war zum Glück ohne zusätzliche Kosten möglich.

Noch gebe ich nicht auf

Mit Hilfe meiner kreativen Tochter, welche bereits als professionelle Texterin gearbeitet hatte, beschloss ich, meine Bücher unter neuem Titel und neuem Cover im Selfpublishing herauszugeben. 

Erst jetzt merkten meine Tochter und ich, wie viel Arbeit es brauchte, das alles neu zu gestalten. Allein die Titelsuche erwies sich als Geduldspiel, denn jedes Mal, wenn wir dachten, einen guten Titel gefunden zu haben, verwarfen wir ihn wieder…, bis schließlich der passende gefunden wurde! So ging es auch mit dem Cover, mehrere Design-Vorschläge landeten erbarmungslos im Papierkorb!

Ein zweiter Blick

War das Äußere erst einmal gefunden, machte sich meine Tochter daran, meine Bücher sorgfältig durchzulesen – einmal, zweimal … Dabei entdeckte sie zahlreiche Satzzeichenfehler, Fehler im Satzbau und ungeschickte Formulierungen.

Ich erinnerte mich dabei an meine damalige Frage nach dem Lektorat. Der Verlag hatte mir sinngemäß erklärt, dass nicht jede Seite einzeln durchgesehen worden sei, sondern dass das Lektorat eher intuitiv erfolgt sei.

Bei der gründlichen Überarbeitung durch meine Tochter stellte sich jedoch heraus, dass das eben nicht reichte und es noch zahlreiche Stellen gab, an denen eine sprachliche Überarbeitung nötig war.

Das hat mich nachdenklich gemacht. Rückblickend wurde mir deutlich, wie viel sorgfältige Arbeit in einer gründlichen Überarbeitung meiner Bücher steckt – und dass ich mir davon damals mehr Unterstützung erhofft hatte. Einmal mehr entstand bei mir der Eindruck, dass es diesem Verlag vor allem um die Einnahmen aus der Veröffentlichung ging und weniger um die aufwändige Arbeit, die Bücher tatsächlich zu ihren Leserinnen und Lesern zu bringen.

Die Ernüchterung

Natürlich war ich enttäuscht. So viel investiertes Geld und: „Außer Spesen nix gewesen.“

Aus Gesprächen mit anderen Autorinnen und Autoren erfuhr ich, dass auch sie mit sogenannten „Zuschuss-Verlagen“ ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Auch sie und ich hatten nach der erfolglosen Suche nach einem klassischen Verlag irgendwann gedacht, ein solcher Verlag sei vielleicht die einzige Möglichkeit, unsere Bücher doch veröffentlichen und in den Buchhandel bringen zu können.

Rückblickend hatte ich das Gefühl, mich von den Komplimenten und der Aussicht auf eine Veröffentlichung hatte blenden lassen.
Geblendet von den tollen Komplimenten seitens des Verlegers.
Geblendet von der Illusion, der Verlag würde die Bücher zu den Lesern bringen.
Geblendet vom Vertrauen in den Verlag, der „doch sicher abschätzen kann, ob ein Buch erfolgversprechend ist oder nicht“.

Ich habe dem Verleger geglaubt, und ich habe ihm vertraut. Ich wurde also ausgenützt, oder?
Aber statt mich in Selbstmitleid zu baden, versuche ich, das Geschehene zu verstehen.

Aber warum wählte ich diesen Weg?

Weil ich zu wenig Vertrauen in mein eigenes Schaffen hatte.

Weil ich zutiefst dachte: „Ich schreibe nicht schlecht, aber so gut ist es auch wieder nicht, um veröffentlicht zu werden“. Und: „Es gibt so viele Leute, die Bücher schreiben, da gehe ich unter im Bücherdschungel“.

Diese Gedanken, diese Überzeugung saßen so tief und größtenteils verborgen in mir.

Ich traute mir den Erfolg nicht zu. Und rechtfertigte es damit, dass ich ja nicht darauf angewiesen sei. „Die Bücher zu schreiben, ist meine Sache. Ob sie den Weg zu den Lesern finden, liegt nicht mehr in meiner Hand“, das war meine Überzeugung.

Das Äußere spiegelt das Innere

„Wie Außen, so innen“. Diese Tatsache hat sich wieder einmal bewahrheitet. Und mir die Augen geöffnet für meine damals fehlende Wertschätzung.

Vielleicht war es für mich damals gerade deshalb möglich, in diese Situation zu geraten: Ich war mir meiner Sache nicht sicher und vertraute dem Verlag blind. Ich hatte ja nicht einmal sorgfältig recherchiert, wie dieser Verlag arbeitet

Es braucht immer beide Seiten im Leben.

Autoren, die sich geschmeichelt fühlen, wenn ein solcher Verlag sie unter Vertrag nimmt.

Das Spiel wird von beiden Seiten gespielt, es geht auf. Der eine kassiert, der andere nicht. In meinem Fall war es eine Konstellation, bei der der Verlag Einnahmen aus den von mir mitfinanzierten Herstellungskosten erzielte, während ich mir von der Veröffentlichung deutlich mehr Unterstützung bei der Verbreitung meiner Bücher erhofft hatte.

Heute sehe ich es anders

Ich glaube heute, dass diese Erfahrung auch deshalb möglich war, weil ich damals als noch unerfahrene Autorin sehr wenig darüber wusste, worauf man bei einem Verlagsvertrag achten sollte. Ich suchte vor allem nach jemandem, der an meine Bücher glaubte, und war deshalb bereit, viel Vertrauen in die Einschätzung des Verlags zu setzen.

Heute weiß ich: Gerade wenn ein Verlag mit unbekannten Autorinnen und Autoren arbeitet und diese sich an den Herstellungskosten beteiligen, sollte man besonders genau hinschauen, welche Leistungen der Verlag tatsächlich übernimmt und welche Erwartungen mit einem solchen Vertrag verbunden sind.

Ich hätte mich damals intensiver informieren und genauer fragen müssen, wie Veröffentlichung, Lektorat, Vertrieb und Werbung konkret aussehen würden.

Ich bin dankbar, dass ich mich ertappt habe!

Der Groll ist verschwunden, Verständnis und Verzeihen sind eingekehrt.

Ich werde meine Bücher nun in Eigenregie und Verantwortung unter die Leute bringen. Denn ich bin inzwischen davon überzeugt, dass ich etwas zu sagen habe. Es muss nicht zwingend neu sein, aber einzigartig. Niemand schreibt wie ich, niemand denkt und fühlt wie ich.

Und mit Freude, ja auch etwas Stolz freue ich mich nun darauf, meine Werke in neuem Outfit zu präsentieren!

Jetzt, wo ich sehen kann, wie ich Teil dieses „Spiels“ gewesen bin, wo ich begreife, dass es nur funktioniert, wenn beide mitspielen, kann ich den Groll gehen lassen. Ich kann verzeihen. Mir und dem Verlag. Ja, ich hatte es damals nicht anders gewusst. Warum der Verlag seine Rolle spielt, weiß ich nicht, geht mich aber auch nichts mehr an.

Und was mich ganz besonders freut, ist die Zusammenarbeit mit meiner Tochter, die mit so viel Sorgfalt, Begeisterung und Einsatz diese Neuauflagen gestaltet hat.

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